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Präzisionsmedizin: KrebspatientInnen in Österreich profitieren frühzeitig von aktuellsten Therapien

Weltweit erkranken 18,1 Millionen Menschen pro Jahr an Krebs und 9,6 Millionen Menschen sterben daran. Jeder fünfte Mann und jede sechste Frau sind während ihres Lebens mit der Erkrankung konfrontiert und einer von acht Männern beziehungsweise eine von elf Frauen sterben daran. Die Tendenz ist steigend, was sich auf das zunehmende Alter der Bevölkerung und andere Faktoren wie Tabakkonsum, Übergewicht oder Umweltverschmutzung zurückführen lässt. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar betont Matthias Preusser, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie und Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien, dass die Erkrankung dennoch zunehmend besser behandelt werden kann. In manchen Bereichen gelingt es mittlerweile auch fortgeschrittene Krebserkrankungen längerfristig unter Kontrolle zu bringen.

Dies ist vor allem den großen Fortschritten zu verdanken, die in den vergangenen Jahren in den Bereichen der Diagnose und der Therapie erzielt wurden. Preusser: „In Österreich erkranken jährlich etwa 46.000 Menschen an Krebs und laut WHO sterben rund 22.000 daran. Dennoch profitieren wir im internationalen Vergleich von neuen Untersuchungsverfahren oder Medikamenten besonders, da sie den PatientInnen sehr rasch zur Verfügung stehen. Wir sind so genannte ,Early Adopters‘. Die neuen Behandlungsmethoden werden überdies in interdisziplinären Fallkonferenzen, den Tumorboards, optimal auf die PatientInnen abgestimmt.“

Individualisierte, personalisierte und zielgerichtete Behandlung
Preusser sieht gerade im Bereich der Präzisionsmedizin und der Immuntherapie große Chancen, weitere, signifikante Fortschritte in der Krebstherapie zu erreichen. Preusser: „Unsere Anstrengungen in diesen beiden Bereichen und ihre Verfügbarkeit für unsere PatientInnen haben großen Anteil an der guten Versorgungslage im Land. Wenn wir aber weiterhin vorne dabei sein wollen, müssen wir unsere wissenschaftlichen Aktivitäten intensivieren. Wir freuen uns daher auch sehr, dass der Forschungsschwerpunkt Präzisionsmedizin durch das neue Zentrum für Präzisionsmedizin (zpm), das am Medizinischen Universitätscampus AKH Wien entsteht, gestärkt wird.“

Nähere Informationen zu aktuellen Studien an der Medizinischen Universität Wien, Prävention sowie dem Krebstag am 12. Februar 2019 im Wiener Rathaus finden Sie in der aktuellen Presseaussendung zum Weltkrebstag.


Researcher of the Month Jänner 2019: Hugo Malagon-Vina erforscht Zusammenhang zwischen präfrontalem Cortex und psychischen Erkrankungen

Hugo Malagon-Vina, Zentrum für Hirnforschung an der MedUni Wien, wurde anlässlich seiner im Journal Nature Communications erschienenen Arbeit „Fluid network dynamics in the prefrontal cortex during multiple strategy switching“ zum Wissenschafter des Monats Jänner ausgezeichnet.

Der präfrontale Cortex steht im engen Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Schizophrenie und Autismus. Daher ist es von großer Bedeutung, ein tieferes Verständnis seiner Rolle und der Beziehung zwischen dort ablaufenden Aktivitäten und unserer Wahrnehmung zu erlangen.

Die Funktion des präfrontalen Cortex zeigt sich im täglichen Leben, wenn wir Entscheidungen treffen oder unser Verhaltensmuster, in Reaktion auf bestimmte Situationen, ändern müssen. Unsere sehr adaptiven neuronalen Netzwerke des präfrontalen Cortex erlauben uns, aus Fehlern zu lernen und bessere Entscheidungen zu treffen. Inwieweit und durch welche Mechanismen unsere Gehirnzellen im präfrontalen Cortex die Regeln von zielgerichtetem Verhalten abbilden, ist jedoch noch ungeklärt.

Malagon-Vina hat gleichzeitig die neuronale Aktivität einer Vielzahl von Neuronen im präfrontalen Cortex erfasst und deren Aktivität auf das flexible Verhalten während multipler Regeländerungen bestimmt. Dabei wurde entdeckt, dass zwei komplementäre neuronale Populationen nicht nur mit der Effizienz der Entscheidungen korrelierende Feuerungsraten zeigten, sondern dass diese Korrelation auch während kontinuierlicher Regeländerungen stabil blieb. Spannend war, dass simultan aufgezeichnete Neuronen in einen komplett neuen Aktivitätszustand übergingen, sobald ein Verhaltensmuster verinnerlicht war. Selbst dann, wenn eines der Verhaltensmuster bereits zuvor erlernt und durchgeführt wurde.

Das deutet darauf hin, dass die Aktivität der Neuronen des präfrontalen Cortex sowohl Testerfolg als auch Strategiewechsel repräsentieren, aber keinesfalls dauerhaft einem bestimmten Verhaltensmuster zugeordnet werden können.

Zur Person: Nach seiner Ausbildung zum Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik an der Universidad de Ibagué in Kolumbien erwarb Hugo Malagon-Vina einen Master in Artificial Intelligence an der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien. 2010 begann er seinen PhD an der MedUni Wien in der Abteilung Kognitive Neurobiologie. Nach zwei Jahren am IST Austria kehrte er 2016 an das Zentrum für Hirnforschung zurück.

Zur Auszeichnung: Um hervorragende Forschungsleistungen der MedUni Wien bekannt zu machen, startete das Rektorat der MedUni Wien im Juni 2004 das Programm „MedUni Wien-Researcher of the Month“. Im Monatsrhythmus kürt eine unabhängige Expertenkommission den Forscher oder die Forscherin des Monats für herausragende Forschungstätigkeit.

Quelle: doktor in wien, 02/2019


Eine lebenswerte Zukunft – auch mit Diagnose Krebs

Der Einsatz der individualisierten Therapie bei Krebserkrankungen ist sinnvoll und machbar: Das ist das zentrale Ergebnis der EXACT-Studie, die am Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien entwickelt und durchgeführt wurde.

Die Arbeit belegt, dass sich das Überleben im Vergleich zur früheren Standardtherapie signifikant verlängert hat und gleichzeitig die Krankheit bei rund 60 Prozent der PatientInnen stabilisiert werden konnte. Die ForscherInnen des CCC zeigen damit, dass das Konzept der individualisierten Therapie wirkt und zukünftig noch stärker in den klinischen Alltag eingebaut werden sollte.

In der Studie wurden PatientInnen untersucht, die an einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung litten, bei der Standardtherapien nicht mehr wirkten. Mit Hilfe molekularpathologischer Untersuchungen wurde ihr Tumor charakterisiert und dessen individuelle Merkmale bestimmt. Diese Daten dienten als Ansatzpunkt für die Ausarbeitung einer auf die PatientInnen speziell zugeschnittenen Behandlung.

Allein die Tatsache, dass zur individuellen Charakterisierung der einzelnen Tumoren bei der Biopsie Gewebe durch interventionelle RadiologInnen zur Charakterisierung durch MolekularpathologInnen entnommen wurde, zeigt, dass individualisierte Therapiekonzepte nur in einem interdisziplinären Setting sinnvoll machbar sind. Eine besondere Rolle kommt dabei der Grundlagenforschung zu.


Hoffnung für Kinder mit Hirntumoren

Zur präziseren Klassifizierung eines bösartigen Hirntumors bei Kindern wurde ein potenzieller Biomarker gefunden – das Enzym Telomerase gibt Aufschluss über den möglichen Krankheitsverlauf und kann die Lebensqualität für Kinder deutlich erhöhen.

Primäre Tumore des Gehirns und Rückenmarks sind nach den Leukämien die zweithäufigsten Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Das Vorhandensein des Enzyms Telomerase charakterisiert eine besonders bösartige Subgruppe von Ependymomen im Kleinhirn und könnte Informationen zur präziseren Einschätzung der Prognose und somit zur Wahl der Therapie liefern. WissenschafterInnen vermuten, dass man so PatientInnen identifizieren könnte, welche von einer intensivierten Therapie profitieren. Im Gegenzug könnte man PatientInnen, deren Tumor weniger aggressiv ist, die Chemotherapie ersparen. Dies würde einen ungeheuren Gewinn an Lebensqualität für die Betroffenen bedeuten.

Lungentransplantierte feiern Gipfelsieg am Kilimandscharo

Die MedUni Wien organisierte und begleitete eine Expedition auf den Kilimandscharo wissenschaftlich. Im Juni 2017 bestiegen zehn Lungentransplantierte aus mehreren Nationen den Kilimandscharo – mit 5.895 Metern Höhe der höchste Berg Afrikas. Die PatientInnen im Alter von 23 bis 63 Jahren hatten im Laufe der vergangenen 15 Jahre an der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien eine Lunge transplantiert bekommen, ein Patient hatte sogar eine kombinierte Leber-/Lungen-Transplantation hinter sich.

Körperliche Höchstleistung unter wissenschaftlicher Kontrolle
Um die PatientInnen sicher zu betreuen und ihre Gesundheit sicherzustellen, wurden sie täglich von 24 Begleitpersonen – ÄrztInnen, PhysiotherapeutInnen und KrankenpflegerInnen – untersucht. Die BegleiterInnen der MedUni Wien nahmen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen vor, um die Auswirkungen der körperlichen Belastungen zu messen.

Aktives Leben nach Transplantation
Zu den Ergebnissen der von Peter Jaksch  (Universitätsklinik für Chirurgie) initiierten Expedition sowie zum Gesamtkonzept sind mehrere wissenschaftliche Publikationen geplant. Eines steht für Jaksch bereits jetzt fest: „Die Expedition dient als Beweis, dass man nach schwerer Krankheit und dem chirurgischen Eingriff einer Lungentransplantation wieder ein aktives Leben führen kann.“


Bionik – Echte Alternative bei schwersten Nervenverletzungen

Ein neuer Behandlungsalgorithmus gibt Aufschluss darüber, wem eine bionische Prothese helfen könnte. Für den Algorithmus nützten die ForscherInnen ihre Erfahrungen mit PatientInnen, die von 2011 bis 2015 wegen globaler Verletzungen des Plexus brachialis in der Klinischen Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie behandelt wurden. Bei 16 Betroffenen war die Nervenverletzung so schwer, dass ihnen – weltweit erstmalig – eine bionische Alternative angeboten wurden: Der Ersatz ihrer nutzlosen biologischen Hand durch eine myoelektrische Prothese – eine bionische Hand. Das Bekanntwerden dieser neuartigen Behandlungsmöglichkeit brachte große internationale Resonanz vom Wall Street Journal bis zur BBC.

Wem hilft Bionik?
Der von den AutorInnen – Erst-Autorin Laura Hruby – entwickelte Behandlungsalgorithmus gibt verlässlich und objektiv Auskunft darüber, wem eine bionische Handrekonstruktion nützen kann. Dazu Oskar Aszmann von der Universitätsklinik für Chirurgie: „Mehr als 25 Jahre lang habe ich PatientInnen behandelt, die schlimme periphere Nervenläsionen erlitten haben. Eine bionische Rekonstruktion wie die, die in diesem Studiendokument beschrieben wurde, ist ein echter Wendepunkt, da sie PatientInnen, die keine andere Alternative haben, wirklich hilft und wieder Hoffnung gibt.“