Aus dem leben

Wissenswertes und News


Eine lebenswerte Zukunft – auch mit Diagnose Krebs

Der Einsatz der individualisierten Therapie bei Krebserkrankungen ist sinnvoll und machbar: Das ist das zentrale Ergebnis der EXACT-Studie, die am Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien entwickelt und durchgeführt wurde.

Die Arbeit belegt, dass sich das Überleben im Vergleich zur früheren Standardtherapie signifikant verlängert hat und gleichzeitig die Krankheit bei rund 60 Prozent der PatientInnen stabilisiert werden konnte. Die ForscherInnen des CCC zeigen damit, dass das Konzept der individualisierten Therapie wirkt und zukünftig noch stärker in den klinischen Alltag eingebaut werden sollte.

In der Studie wurden PatientInnen untersucht, die an einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung litten, bei der Standardtherapien nicht mehr wirkten. Mit Hilfe molekularpathologischer Untersuchungen wurde ihr Tumor charakterisiert und dessen individuelle Merkmale bestimmt. Diese Daten dienten als Ansatzpunkt für die Ausarbeitung einer auf die PatientInnen speziell zugeschnittenen Behandlung.

Allein die Tatsache, dass zur individuellen Charakterisierung der einzelnen Tumoren bei der Biopsie Gewebe durch interventionelle RadiologInnen zur Charakterisierung durch MolekularpathologInnen entnommen wurde, zeigt, dass individualisierte Therapiekonzepte nur in einem interdisziplinären Setting sinnvoll machbar sind. Eine besondere Rolle kommt dabei der Grundlagenforschung zu.


Hoffnung für Kinder mit Hirntumoren

Zur präziseren Klassifizierung eines bösartigen Hirntumors bei Kindern wurde ein potenzieller Biomarker gefunden – das Enzym Telomerase gibt Aufschluss über den möglichen Krankheitsverlauf und kann die Lebensqualität für Kinder deutlich erhöhen.

Primäre Tumore des Gehirns und Rückenmarks sind nach den Leukämien die zweithäufigsten Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Das Vorhandensein des Enzyms Telomerase charakterisiert eine besonders bösartige Subgruppe von Ependymomen im Kleinhirn und könnte Informationen zur präziseren Einschätzung der Prognose und somit zur Wahl der Therapie liefern. WissenschafterInnen vermuten, dass man so PatientInnen identifizieren könnte, welche von einer intensivierten Therapie profitieren. Im Gegenzug könnte man PatientInnen, deren Tumor weniger aggressiv ist, die Chemotherapie ersparen. Dies würde einen ungeheuren Gewinn an Lebensqualität für die Betroffenen bedeuten.

Lungentransplantierte feiern Gipfelsieg am Kilimandscharo

Die MedUni Wien organisierte und begleitete eine Expedition auf den Kilimandscharo wissenschaftlich. Im Juni 2017 bestiegen zehn Lungentransplantierte aus mehreren Nationen den Kilimandscharo – mit 5.895 Metern Höhe der höchste Berg Afrikas. Die PatientInnen im Alter von 23 bis 63 Jahren hatten im Laufe der vergangenen 15 Jahre an der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien eine Lunge transplantiert bekommen, ein Patient hatte sogar eine kombinierte Leber-/Lungen-Transplantation hinter sich.

Körperliche Höchstleistung unter wissenschaftlicher Kontrolle
Um die PatientInnen sicher zu betreuen und ihre Gesundheit sicherzustellen, wurden sie täglich von 24 Begleitpersonen – ÄrztInnen, PhysiotherapeutInnen und KrankenpflegerInnen – untersucht. Die BegleiterInnen der MedUni Wien nahmen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen vor, um die Auswirkungen der körperlichen Belastungen zu messen.

Aktives Leben nach Transplantation
Zu den Ergebnissen der von Peter Jaksch  (Universitätsklinik für Chirurgie) initiierten Expedition sowie zum Gesamtkonzept sind mehrere wissenschaftliche Publikationen geplant. Eines steht für Jaksch bereits jetzt fest: „Die Expedition dient als Beweis, dass man nach schwerer Krankheit und dem chirurgischen Eingriff einer Lungentransplantation wieder ein aktives Leben führen kann.“


Bionik – Echte Alternative bei schwersten Nervenverletzungen

Ein neuer Behandlungsalgorithmus gibt Aufschluss darüber, wem eine bionische Prothese helfen könnte. Für den Algorithmus nützten die ForscherInnen ihre Erfahrungen mit PatientInnen, die von 2011 bis 2015 wegen globaler Verletzungen des Plexus brachialis in der Klinischen Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie behandelt wurden. Bei 16 Betroffenen war die Nervenverletzung so schwer, dass ihnen – weltweit erstmalig – eine bionische Alternative angeboten wurden: Der Ersatz ihrer nutzlosen biologischen Hand durch eine myoelektrische Prothese – eine bionische Hand. Das Bekanntwerden dieser neuartigen Behandlungsmöglichkeit brachte große internationale Resonanz vom Wall Street Journal bis zur BBC.

Wem hilft Bionik?
Der von den AutorInnen – Erst-Autorin Laura Hruby – entwickelte Behandlungsalgorithmus gibt verlässlich und objektiv Auskunft darüber, wem eine bionische Handrekonstruktion nützen kann. Dazu Oskar Aszmann von der Universitätsklinik für Chirurgie: „Mehr als 25 Jahre lang habe ich PatientInnen behandelt, die schlimme periphere Nervenläsionen erlitten haben. Eine bionische Rekonstruktion wie die, die in diesem Studiendokument beschrieben wurde, ist ein echter Wendepunkt, da sie PatientInnen, die keine andere Alternative haben, wirklich hilft und wieder Hoffnung gibt.“